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Frag ConQuMat! – Eure Fragen, unsere Antworten (Teil 1)

Uns wurde von Lea eine Frage zugeschickt, bzw. eine Frage in Form eines Textes:
 
Photonen sind teilchenförmig, wenn man sie beobachtet, und wellenförmig, wenn sie unbeobachtet sind. Gleichzeitig vergeht für Photonen keine Zeit, während sie durch den Raum reisen. Durch die Beobachtung halten wir sie also in einem Moment fest, wodurch sie in ihrer Teilchenform erscheinen. Ziehen sie jedoch unbeobachtet an uns vorbei, sind sie wellenförmig, da nur ihr Vorbeiziehen erfasst wird. Das ist so, wie wenn jemand sehr schnell an einem vorbeirennt und man ihn nur unscharf sieht. Macht man jedoch ein Foto, erscheint er scharf und erkennbar – aber nur auf dem Bild.
Ergibt das einen Sinn?
 

Vielen Dank für die Einreichung! Ein Wissenschaftler von der Experimentalphysik V der Universität Augsburg hat sich die Zeit genommen, eine Antwort zu geben:

 

Hallo Lea,

vielen Dank für dein Interesse und deine schöne Frage. In deinem Text sind ein paar gute Gedanken dabei, einen ganz zentralen aber auch sehr schwieriger Aspekt der Quantenmechanik sollten wir hier aber noch mehr herausstellen: Ja, du hast Recht, Quantenteilchen wie z.B. Photonen unterliegen einem Welle-Teilchen-Dualismus, sie können also Eigenschaften beider Beschreibungen annehmen und die Art und Weise wie wir ein Objekt anschauen (im Moment Festhalten versus Vorbeiziehen) hat entscheidende Auswirkungen. Aber was genau bestimmt nun welcher Aspekt sich zeigt? Hier kommt der Beobachter ins Spiel. Das heißt, die Art und Weise wie eine Messung stattfindet bestimmt welches Phänomen zum Vorschein kommt. Für das Doppelspaltexperiment zum Beispiel ist der Wellencharakter entscheidend, für Experimente etwa zum Photoeffekt das Teilchenbild. Das heißt, der Beobachter legt den Zustand fest! Das ist ein fundamental neues Konzept verglichen mit der klassischen Physik, wo der Beobachter lediglich eine passive Rolle einnimmt. In quantenmechanischen Experimenten wird der Beobachter implizit Teil der Messung und damit des Zustands des Objekts. Diese Idee hat potentiell langreichweitige Auswirkungen auf das Weltbild und unseren Realitätsbegriff, bis hin zu Philosophie.

Deine Analogie mit der rennenden Person ist ein schöner Vergleich zur Heisenberg’schen Unschärferelation: Wenn wir den Ort festlegen indem wir ein Standbild machen, wissen wir nicht wie schnell die Person gerade ist. Wenn sie vorbeiläuft können wir zwar messen wie schnell sie ist, können aber nicht exakt sagen wo genau sie sich befindet.

Wir hoffen wir konnten deine Frage zufriedenstellend beantworten und behellige uns gerne falls du noch Nachfragen hast.

Das ConQuMat Team

 

Habt ihr weitere Fragen an unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler? Schreibt uns bei Frag ConQuMat!

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